Bahnhofstraße 3
Traditionelles Wirtshaus
Geschichte
Mitte des 18. Jahrhunderts
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich das Gebäude im Besitz eines Kürschners.
1796
Im Jahr 1796 war hier ein Bockwirt tätig.
Der Begriff „Bockwirth“ bezeichnet einen Bockwirt, also einen Wirt, der Starkbier ausschenkte.
Bockwirth (altdeutsch) | Bockwirt (neuhochdeutsch)
1797
Im Jahr 1797 war in dem Gebäude ein Militärspital für österreichische und französische verwundete Soldaten untergebracht.
1895
Die Familie Köppl erwarb das Gebäude 1895 und ist bis heute Eigentümerin.
1945
Im Jahr 1945 war hier die Messe der britischen Unteroffiziere eingerichtet.
Grundriss
Das Gebäude weist einen hakenförmigen Grundriss auf.
Teilweiser Wiederaufbau um 1900
Das Eckhaus wurde um 1900 teilweise neu errichtet. Mittelalterliche Bausubstanz wurde in den Nordtrakt integriert.
Straßenseitige Fassade
Neoklassizistische Gestaltung
Das Stadthaus beeindruckt mit seiner repräsentativen Fassade, die von neoklassizistischen Gestaltungselementen geprägt ist.
Geschosse
Die langgestreckte Straßenfassade gliedert sich in zwei Geschoße und verfügt über ein zusätzliches Dachgeschoß.
Putz und Farbgebung
Das Gebäude ist in einem pfirsich-ockerfarbenen Ton gefasst, der durch klar akzentuierten weißen Putzschmuck hervorgehoben wird.
Fassadengliederung
Die Fassade ist durch Gesimse und ein profiliertes Sohlbankgesims horizontal gegliedert. Seitlich wird sie von Lisenen gefasst.
Erdgeschoß
In den Jahren 1968/69 wurde das Erdgeschoß an die wachsenden Anforderungen des Gasthofs und Restaurants angepasst. Auf Straßenniveau verbinden Türöffnungen den Innenraum mit dem öffentlichen Raum. Große rechteckige Fensteröffnungen belichten das Innere.
Obergeschoß
Die Fenster des Obergeschoßes besitzen profilierte Putzrahmen mit geraden Verdachungen, die von Konsolen getragen werden.
Zentralrisalit
Zur Bahnhofstraße hin wird die Mittelachse der Fassade durch einen einachsigen Risalit mit Giebelaufbau betont. Der Giebel weist ein rundbogiges Fenster auf, das von gebänderten Pilastern flankiert wird. Ein profiliertes Gesims ruht über dem rundbogigen Fenster. Der Aufbau endet oben in einem Rundbogengiebel. Dazwischen befindet sich ein rechteckiges, weiß gefasstes Feld. Auf Höhe des ersten Obergeschoßes besitzt der Risalit ein großes rechteckiges Fenster, das von flachen Pilastern flankiert wird und um 1890 datiert. Ein markantes Merkmal ist die Ritterfigur auf Höhe des ersten Obergeschoßes, die dem Gebäude einen unverwechselbaren Charakter verleiht.
Traditionelles Wirtshausschild
Ein wandhängendes Auslegerschild erinnert an die langjährige gastronomische Nutzung des Hauses, das seit 1895 den Namen „Goldener Anker“ trägt.
Hoffassade
An der Hoffassade sind Holz-Pawlatschen aus dem späten 19. Jahrhundert erhalten.
Bogengiebel
Beschriftete Merkmale

1 Bogengiebel | 2 Gesimsband |
3 bogenförmige Fensterumrahmung |
4 rustizierter Pilaster | 5 geschwungener Giebelteil |
6 rechteckiges Stuckfeld
Gliederung der Südfassade
Beschriftete Merkmale

1 Bogengiebel | 2 Dachgesims | 3 Gesimsband |
4 deverzierter Pilasterkapitell | 5 Pilasterschaft |
6 Pilastersockel | 7 Fenstergiebel | 8 Fensterumrahmung
Horizontale Gliederung
Ostfassade zur Fürstenhofgasse

1 Dachuntersicht | 2 Gesimsband |
3 Dachgesims | 4 Sohlbankgesims |
5 rechteckige Profilleiste, horizontal ausgerichtet |
6 Gesims | 7 Sockelgesims
8 Fenstergiebel | 9 Fensterbank
Vertikale Gliederung
Ostfassade zur Fürstenhofgasse

1 rechteckige Profilleiste, vertikal ausgerichtet
2 Fensterumrahmung, vertikales Element
3 Türumrahmung, vertikales Element

Kulturerbe-Gedenktafel
BÜRGERHAUS
Bausubstanz aus dem 15. Jh.
Im 18. Jh. Gasthaus „BOCKWIRTH“
1797 franz. Soldaten unter
NAPOLEON BONAPARTE in Friesach
Franz.-österr. Militärspital im Hause u.
1945 britisches UOFFZ.-Kasino
Seit 1895 Fam. KÖPPL
Erläuterung des Inschriftentextes
Das Bürgerhaus in der Bahnhofstraße 3 stammt in seiner Bausubstanz aus dem 15. Jahrhundert.
Im 18. Jahrhundert befand sich hier das Gasthaus „Bockwirth“.
Im Jahr 1797 hielten sich während der Napoleonischen Kriege französische Soldaten unter Napoleon Bonaparte in Friesach auf.
In dieser Zeit diente das Gebäude als französisch-österreichisches Militärspital.
Im Jahr 1945 war im Haus ein britisches Unteroffizierskasino untergebracht.
Seit 1895 befindet sich das Gebäude im Besitz der Familie Köppl.






Traditionelle Gasthäuser in Kärnten
Von der mittelalterlichen Zeit bis ins 19. Jahrhundert boten traditionelle Gasthäuser in Kärnten Reisenden, Händlern und Pilgern unverzichtbare Unterkunft, Verpflegung und Stallmöglichkeiten. Sie dienten auch als soziale Treffpunkte und waren Schauplatz von Versammlungen, Feierlichkeiten und lokalen Zusammenkünften. Viele Gasthäuser wurden über Generationen von Familien geführt und bewahrten so regionale Bau- und Kochtraditionen. Ihre Fassaden, Hauszeichen und Innenräume sind bis heute wichtige Zeugnisse des kulturellen und historischen Erbes Kärntens.
